Antragsteller: Privatdozent Dr. Martin Kehl
Universität zu Köln
Department für Geowissenschaften
Geographisches Institut
Fachliche Zuordnung: Physische Geographie
Ur- und Frühgeschichte (weltweit)
Ägyptische und Vorderasiatische Altertumswissenschaften
Förderung: Förderung seit 2019
Projektkennung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 424584141

Projektbeschreibung

Landwirtschaft oder nomadische Viehzucht (prä)historischer Gesellschaften des iranischen Hochlandes haben sich in ökologisch diversen ariden bis subhumiden Umwelten entwickelt, die neben Wüsten und Steppen auch offene Wälder und Grasländer der Gebirgsräume umfassten. Die Untersuchung von Sedimentarchiven hat ergeben, dass diese Umwelten, von Klimaveränderungen ausgelöst, während des Holozäns in Raum und Zeit veränderlich waren. Die Art und Taktung von Paläoumweltveränderungen werden kontrovers diskutiert, wobei wenige Informationen über das innere Hochland vorliegen. Dies gilt auch für die Frage, inwiefern Hochlandgesellschaften auf mögliche Veränderungen der Paläoumwelt reagiert haben, z.B. durch Rückzug in klimatisch günstigere Räume und Verlassen von Siedlungen oder durch Adaption neuer Techniken, um klimabedingter Verknappung von Ressourcen zu bewältigen. Schließlich ist auch unklar, wie Hochlandgesellschaften selbst zur Ressourcenverknappung und Änderung der Paläoumwelt beigetragen haben. Der SPP bietet einen exzellenten Rahmen, um solchen und ähnlichen Fragen in interdisziplinärer Diskussion und Zusammenarbeit nachzugehen. Das hier beantragte Teilprojekt umfasst detaillierte Untersuchungen der Sedimentarchive von zwei Endbecken, die im Übergangsbereich von nördlichem Zagros zu innerem Hochland liegen. Im ersten Becken befindet sich der Gandoman-See, der sich auf etwa 2250 m Höhe über Meeresspiegel (m ü.MS) im Übergangsgebiet zwischen Steppe und offenen Wäldern in einer Zone gebildet hat, die traditionell auch von nomadischen Gesellschaften genutzt worden ist. Das zweite Gebiet ist das Gavkhouni-Becken, das auf einer Höhe von etwa 1450 m ü.MS am Rand der Wüsten des inneren Plateaus liegt. Ziele der ersten Phase sind, Sedimentkerne aus beiden Becken zu ziehen und für diese Kerne Litho- und Chronostratigraphien auf Basis sedimentologischer Verfahren sowie Radiokohlenstoff- und Lumineszenzdatierung zu erarbeiten. Phasen der holozänen Sedimentakkumulation sowie post-depositionale Veränderungen werden mittels hochauflösender Analyse der Granulomerie, der Gehalte an organischem und anorganischem Kohlenstoff, Haupt und Spurenelementen sowie der physikalischen Eigenschaften wie Farbe oder magnetische Suszeptibilität identifiziert. Die Ergebnisse werden integriert, um Aussagen über die Sedimentgenese und hierzu abzuleitende Paläoklimaindikation zu gewinnen. Zudem werden die Kerne auf die Anwesenheit von Pollen, botanischen Makroresten und gastropoden untersucht, um das Potential detaillierten Untersuchungen an diesen Klimaproxies abzuschätzen. Die Ergebnisses des Teilprojektes werden hinsichtlich der Einflussfaktoren und Magnituden von Klima- und Paläoumweltveränderungen sowie ihrer möglichen Auswirkung auf Hochlandgesellschaften diskutiert. Aus der engen Zusammenarbeit mit Archäologen und Geowissenschaftlern werden klare Vorstellungen über Mensch-Umwelt-Interaktionen auf dem Iranischen Hochland zu gewinnen sein.