An­trag­stel­le­rin­nen / An­trag­stel­ler: Professor Dr. Reinhard Bernbeck
Freie Universität Berlin
Institut für Vorderasiatische Archäologie
Professorin Dr. Susan Pollock
Freie Universität Berlin
Institut für Vorderasiatische Archäologie
Fachliche Zuordnung: Ägyptische und Vorderasiatische Altertumswissenschaften Förderung: Förderung seit 2019
Projektkennung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 424609853

Projektbeschreibung

Während der iranischen Ausgrabungen der Jahre 2006-2011 am Tappeh Sofalin in der Varamin-Ebene des nördlichen Zentral-Iran wurden zahlreiche Artefakte eines komplexen Buchführungssystems gefunden, darunter Versiegelungen, Siegel und Tontafeln der protoelamischen Zeit (spätes 4. Jt. v.Chr.). Anders als im benachbarten Mesopotamien, wo ein ähnliches Verwaltungssystem mit der Entstehung großer städtischer Zentren verbunden ist, wird das Auftreten protoelamischer Verwaltungsartefakte auf dem iranischen Zentralplateau begleitet von einem allgemeinen Rückgang der Besiedlung und einem nur mäßigen Wachstum der primären urbanen Zentren. Nach Meinung etlicher Forscherinnen und Forscher verweisen derartige Siedlungsentwicklungen auf die grundlegende Rolle von pastoralem Nomadismus bei der Entwicklung komplexer Gesellschaften im Hochland von Iran. In dem hier vorgestellten Projekt untersuchen wir Mobilität als wichtigen Faktor für Siedlungsverhalten und Wirtschaftsstrukturen des 4. Jts. v.Chr. Im Unterschied zu den Nomadismus-Thesen sichten wir Evidenz für langfristige Mobilitätsrhythmen und untersuchen deren Relationen zu einer hochdynamischen natürlichen Umgebung in der Varamin-Ebene. Das Projekt erforscht die sich ändernden Strategien der Gesellschaften des 4. Jts. v. Chr., die ihr soziales Leben im Kontext herausfordernder natürlicher Verhältnisse einrichten mussten. Wir postulieren, dass unterschiedliche Rhythmen, Frequenzen und Formen sozialer und wirtschaftlicher Mobilität entscheidende Elemente einer resilienten Lebensweise für diese Region waren.