Antragsteller: Professor Dr. Walther Sallaberger
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Assyriologie und Hethitologie
Fachliche Zuordnung: Ägyptische und Vorderasiatische Altertumswissenschaften
Förderung: Förderung seit 2019
Projektkennung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 424129577

Projektbeschreibung

2009 entdeckte man mit Keilschrift beschriebene Tontafeln nahe den Ruinen von Goshtaspi in der Provinz Kohgiluye va Boyer-Ahmad, die sich jetzt im Besitz des Museums Yasuj befinden. Ein erstes Studium zeigt, dass es sich um Dokumente in elamischer Sprache handelt. Es finden sich sowohl tabellarische Aufstellungen zur Viehzucht, Kleinvieh und Großvieh, wie zur Getreidewirtschaft wie auch Briefe in elamischer Sprache. Aufgrund der Urkundenformate, der Siegelabrollungen, des Vokabulars und vor allem der Paläographie können die neuen Texte als zeitgleich zu denen aus Tal-i Malyan, der elamischen Hauptstadt Anšan, bestimmt werden (datiert um 1100 v.Chr.), die von M. Stolper ediert wurden. Die vor Ort geborgenen Funde von Keramik unterstützen diese Datierung. Die neuen Urkunden aus Goshtaspi bilden einen einzigartigen Neufund, der unser Wissen um das Reich Elam entscheidend erweitert: 1) Zum ersten Mal stammen mittelelamische Texte nicht aus einem der großen königlichen Zentren, sondern aus dem Bergland, dort aber nahe des wichtigen Übergangs der Iranischen Pforte. 2) Anders als die Texte aus Tchoga Zambil, Susa oder Haft Tepe behandeln die Goshtaspi-Texte die Subsistenzwirtschaft, insbesondere die Verwaltung von Vieh und Getreide. 3) Durch die Präsenz von Briefen - die bisher einzigen Belege für elamische Briefe schon im 2. Jahrtausend - und dort die Erwähnung von Haltamti "Elam" sowie Anzan "Ansan" wird sofort deutlich, dass die lokale Verwaltung in Manlari, wie der Ort in den Texten genannt wird, mit dem Zentrum des mittelelamischen Reichs verbunden war. Eine sorgfältige Edition dieses Fundes erbringt somit wesentliche Erkenntnisse zu den bisher unbekannten institutionellen Netzwerken in mittelelamischer Zeit, zur Verwaltung der Subsistenzwirtschaft innerhalb von staatlichen Organisationen, sowie zur Verbreitung von Schrift und Urkundenpraxis. Historisch verdient diese Epoche besondere Aufmerksamkeit, weil nach der engen Verzahnung der elamischen mit der babylonischen Geschichte bis zur Mitte des 12. Jh. nun eine neue Ausrichtung auf Elam und das iranische Hochland erfolgt. Zugleich werden hier die Grundlagen für die neuelamische Verwaltung gelegt, die letztlich in der achämenidischen aufgeht. Die Auswertung der Dokumente soll im Austausch mit den archäologischen Erkenntnissen zu den relevanten Netzwerken und zur Siedlungsgeographie sowie zu Viehzucht und Ackerbau erfolgen.