An­trag­stel­le­rin­nen / An­trag­stel­ler: Professorin Dr. Birgitt Hoffmann
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften
Lehrstuhl für Iranistik
Professor Dr. Lorenz Korn
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften
Lehrstuhl für Islamische Kunstgeschichte und Archäologie
Fachliche Zuordnung: Ägyptische und Vorderasiatische Altertumswissenschaften
Islamwissenschaften, Arabistik, Semitistik
Förderung: Förderung seit 2019
Projektkennung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 424142753

Projektbeschreibung

Die Dynastie der Ilkhane (ca. 1256-1335), begründet durch Dschingis Khans Enkel Hülegü, hatte einen prägenden Einfluss auf die politische, demographische, soziale und kulturelle Verfasstheit Irans. Zum ersten Mal seit der islamischen Eroberung im 7. Jahrhundert bildete Iran wieder eine eigenständige politisch-territoriale Entität. Das Reich der Ilkhane war umzingelt von Feinden (den Mamluken, den rivalisierenden mongolischen Reichen der Goldenen Horde und der Chaghataier) und war damit in territoriale Schranken verwiesen. Zustrom und dauerhafter Verbleib einer großen Zahl von reiternomadischen Mongolen und Türken in ein von Seßhaftigkeit und Landwirtschaft geprägtes Habitat stellte für Eroberer wie Eroberte eine Herausforderung dar. Allianzen zwischen mongolischen und einheimischen Eliten waren die Folge. Phänomene und Prozesse der Resilienz und der Integration sind auf beiden Seiten zu beobachten. Für die Aufrechterhaltung ihres nomadischen Lebensstils mussten sich die Mongolen in den Regionen konzentrieren, die dafür geeignet waren, d.h. im in den nördlichen und nordwestlichen Regionen des iranischen Hochlandes. Die iranischen Verwaltungskader begleiteten das eigentliche Zentrum der Macht, das herrscherliche Hoflager (ordu) auf dessen Wanderungen. Die Ilkhane waren begeisterte Bauherren. Auf ihren Befehl entstanden Bauten und Siedlungen entlang ihrer Wanderungsrouten, wurden Städte erweitert oder sogar neu gegründet. Infolge von Erdbeben, Kriegshandlungen oder gezielter Zerstörung sind nur wenige architektonische und archäologische Überreste der Mongolenzeit sichtbar. Ihre Erforschung wird zusätzlich erschwert, weil Mongolenzeit in der iranischen Forschung eher vernachlässigt wird.Zum besseren Verständnis von Raumkonzepten, Migrationsmustern und Stadtentwicklung wird unser transdisziplinäres Projekt Textquellen und archäologische Befunde wechselseitig füreinander fruchtbar machen. Ein erstes Ziel ist es, Wanderungsrouten und saisonale Halteplätze ausfindig zu machen und in einer georeferenzierten Karte zu dokumentieren. Diese bildet den Ausgangspunkt für punktuelle Feldforschung. Ein Ort, der sich hierfür anbietet, ist die Gegend um Bustanabad (ca. 60 km südöstlich von Tabriz). Erste Sondierungen lassen vermuten, dass sich hier die bedeutende saisonale Residenz von Ujan befand. Mongolische Aktivitäten im Bereich Stadtentwicklung sind in narrativen und urkundlichen Quellen belegt. In Tabriz haben in deutsch-iranischer Kooperation Ausgrabungen zum Rabʿ-i Rashidi, eines der größten Stiftungskomplexe der damaligen Zeit, begonnen. Auch hier versprechen sich Textquellen und archäologische Funde auf das Beste zu ergänzen. Das beantragte Projekt will im Rahmen von drei Grabungskampagnen die vorgängigen Erkundungen weiterführen und ergänzen. Auch hier ist eine zu erstellende georeferenzierte Karte unentbehrlich für die weitere archäologische Feldarbeit.