DFG-Förderschwerpunkt: Das iranische Hochland: Resilienzen und Integration in vormodernen Gesellschaften

Förderung
Organisation
Fördereinrichtung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Zeitraum
2019 - 2025

Das iranische Hochland: Resilienzen und Integration in vormodernen Gesellschaften

Das DFG Schwerpunktprogramm „Das iranische Hochland: Resilienzen und Integration in vormodernen Gesellschaften (SPP 2176) wurde vom Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im März 2018 für eine Laufzeit von 6 Jahren ab 2019 eingerichtet.

Koordinator:

Prof. Dr. Thomas Stöllner, Ruhr-Universität Bochum und Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Ur- und Frühgeschichte/Montanarchäologie

Programmkommission:

Prof. Dr. Reinhard Bernbeck, Freie Universität Berlin, Vorderasiatische Archäologie

Dr. Wouter Henkelman, Maître de conférences, École Pratique des Hautes Études, Altorientalisik/Iranistik

Prof. Dr. Susan Pollock, Freie Universität Berlin, Vorderasiatische Archäologie

Dr. Judith Thomalsky, DAI, Außenstelle Teheran, Ur- und Frühgeschichte

Zusammenfassung

Das iranische Hochland nimmt in verschiedenen Perioden der Kulturentwicklung eine bedeutende Rolle ein: Seine Gesellschaften stehen in engem Austausch mit den umliegenden Kulturräumen, zu denen sich immer wieder politische und wirtschaftliche Beziehungen entwickeln konnten. Wiederholt kommt es zu einer Intensivierung der Beziehungen aus Mesopotamien, Kaukasien oder Mittelasien, sei es durch Wirtschaftsverkehr, Zuwanderung oder politische Inklusion. Umgekehrt haben es die Gesellschaften des iranischen Hochlandes nicht weniger verstanden, diese Beziehungen in ihren eigenen Netzwerken zu integrieren, sie umzuformen oder sich ihnen gegenüber widerständig zu verhalten. Das Hochland und seine Akteure konnten so verschiedentlich eine prägende Rolle für ihre Umfelder einnehmen und politische, ökonomische und soziale Wirkung entfalten. Die Landschaften, ihre Ressourcen und spezifischen Lebensbedingungen trugen zu dieser Entwicklung bei, dennoch sind die kulturellen, sozialen wie wirtschaftlichen Prozesse für verschiedene Perioden kaum im Detail untersucht, standen sie doch meist im Schatten einer „auswärtigen“ – beispielsweise mesopotamischen – Perspektive.

Das SPP 2176 versteht das iranische Hochland sensu lato als das zentral-iranische Plateau mit seinen Randgebirgen, dem Kopet Dag im Nordosten, dem Elburs im Norden, dem Zagros im Westen, Südwesten und Süden, sowie dem Urmia-See und Südkaukasus im Nordwesten. Im Osten beziehen wir die Region Kerman samt Wüste Lut und Iranisch-Baluchistan mit ein.

Iran hat sich seit dem Jahr 2000 verstärkt ausländischen Wissenschaftler_innen geöffnet. Mit dem Projekt sollen die europäisch/deutschen und iranischen Wissenschaftsbande wieder enger zu geknüpft werden. Auch die deutschsprachige Iran-Forschung kann so in Deutschland und darüber hinaus einen neuen Impuls bekommen.

Nachwuchsförderung und die Einbeziehung von und Vernetzung mit iranischen Kolleg_innen sind explizit wissenschaftspolitische Ziele des Programms. Wissenschaftler_innen aus Iran sollen ebenfalls explizit diese Chancen ergreifen können, sich in Kooperation mit deutschen Universitäten und Forschungsinstituten an Anträgen zu beteiligen, um über die gegebenen Grenzen hinaus Forschung zu ermöglichen.

Allgemeine Fragestellung und Ziele

Die Erforschung des iranischen Hochlandes und seiner Gesellschaften ist ein emerging field für die kulturwissenschaftliche, archäologische und sprachwissenschaftliche Forschung Westasiens. Die heterogenen Lebenswelten des iranischen Hochlandes ließen langfristig immer wieder kulturelle Hybridisierungen entstehen, die transformativ nach außen wirken konnten und bei aller Flexibilität erhebliche Bestandskraft aufwiesen. Es ist die These des SPP 2176, dass das Zusammenspiel von sich stark wandelnden äußeren Bedingungen mit tief verankerten kulturellen Krisenbewältigungsmechanismen zu multiplen Hochland-Lebenswelten führten, die für unterschiedlichste Lebensformen eine Anbindung erlaubten (z.B. Wanderhirten und Nomaden, bäuerlich-dörfliche und urbane Gesellschaften).

Anders als beim traditionellen Konzept der Akkulturation geht das SPP nicht von soziokulturellen Angleichungen, sondern von beständigen Neuformungen aus, die sich auf verschiedenen Skalen im Hochland von Iran herausbilden konnten. Die Resilienz der kleinteilig strukturierten Gesellschaften zeigt sich in ihrer erstaunlichen Flexibilität und einer dynamischen Herausbildung immer wieder neuer gesellschaftlicher und kultureller Konfigurationen. Das SPP betrachtet diese als einen spezifischen Beitrag von „Hochlandgesellschaften“. Dies wird in bewusster Antithese zu hydraulischen Gesellschaften angelegt, die – wie etwa Mesopotamien – bisher bevorzugt betrachtet und als historische Vorbildkonzepte formuliert wurden.

Im Zentrum des SPP 2176 stehen die unterschiedlichen „Highlandscapes“, die mit Hilfe eines interdisziplinär und diachron angelegten Ansatzes zwischen Archäologie, geowissenschaftlicher Archäometrie, Archäobiologie, Iranistik sowie Alter Geschichte und Altorientalistik untersucht werden sollen. Forschungsprojekte sollen die vielfältigen Lebenswelten herausarbeiten, wobei es darum geht, wie sich die für das iranische Hochland beobachtbare gesellschaftliche Resilienz in wirtschaftlichen, sprachlichen, und sozialen Mustern sowie in der Kraft zur politisch-sozialen Integration epochenspezifisch ausgeprägt hat. Dazu gehören auch Wissenstransfer und Austausch sowie Erinnerungskulturen in Sprache, Religion und Sachkultur. Das SPP zielt darauf ab, die verschiedenen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Prozesse in drei Schwerpunktfeldern systematisch zu erfassen:

  • in Rohstoffregimen und deren Vernetzung;
  • in institutionalisierten Verhältnissen, die von formal-öffentlichen Einrichtungen bis zu Familienstrukturen reichen können;
  • in Mobilitätsmustern und deren natürlichen und kulturellen Umweltbezügen.

Dies sind die grundsätzlichen Forschungsziele des SPP.

 

Für inhaltliche Rückfragen steht Ihnen der Koordinator des Schwerpunktprogramms zur Verfügung:

Prof. Dr. Thomas Stöllner
Ruhr-Universität Bochum
Institut für Archäologische Wissenschaften
Ur- und Frühgeschichte, Lehrstuhl
zugleich: Deutsches Bergbau-Museum Bochum
Abt. Forschung, Leiter, Mitglied des Direktoriums
Haus der Archäologien
Am Bergbaumuseum 31
D-44791 Bochum
Tel. +49-234-3222546 oder Tel: +49-234-282538-20
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Informationen zur Antragstellung bei der DFG erteilen:

Inhaltliche Informationen:

Dr. Christoph Kümmel
Kennedyallee 40
53175 Bonn
Tel. +49 (228) 885-2294
Fax +49 (228) 885-2777
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Formale Informationen:

Sabine Thomas
Kennedyallee 40
53175 Bonn
Tel. +49 (228) 885-2810
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Ansprechperson „Chancengleichheit in der Wissenschaft“:

Dr. Ines Medved
Kennedyallee 40
53175 Bonn
Telefon: +49 (228) 885-2852
Telefax: +49 (228) 885-2555
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